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Nach Mai-Absage neuer Termin für den Dießener Töpfermarkt

Markt soll nun vom 22. bis 25. Juli 2021 veranstaltet werden

Dießen. Für den Dießener Töpfermarkt ist ein neuer Termin gefunden worden. Die Marktgemeinde will das europäische Festival der Keramiker nach der Absage im Mai nun vom 22. bis 25. Juli 2021 veranstalten. Auch der neue Termin sei allerdings unter Vorbehalt zu sehen. „Wir werden die weitere Entwicklung der Pandemie-Lage im Auge behalten“, betont Dießens 1. Bürgermeisterin Sandra Perzul. Jetzt sei noch nicht abzusehen, welche konkreten Bestimmungen dann gelten und welche Schutzmaßnahmen für Besucher und Aussteller zu treffen sind. „Für Dießen und die Keramiker-Zunft wäre es ein wichtiges Signal, wenn in diesem Jahr der wichtige Töpfermarkt stattfinden kann“, hebt Marktleiter Wolfgang Lösche hervor. Er wies darauf hin, dass viele Keramikwerkstätten aufgrund der Corona-Krise mittlerweile in wirtschaftliche Bedrängnis geraten sind. In den vergangenen Monaten seien nicht nur zahlreiche Töpfermärkte abgesagt worden, auch das Weihnachtsgeschäft sei so gut wie ausgefallen. Nun sei das Ostergeschäft in Gefahr.

Ursprünglich sollte der Dießener Töpfermarkt in diesem Jahr wieder traditionell zu Christi Himmelfahrt vom 13. bis 16. Mai stattfinden. Aufgrund der Corona-Entwicklung wurde dieser Termin abgesagt. „Den Töpfern wurde die Absage und der neue Termin mitgeteilt“, erläutert Wolfgang Lösche. Über die Rahmenbedingungen und das Begleitprogramm des diesjährigen Töpfermarkts wollen Gemeinde und Marktleiter im Frühsommer die Öffentlichkeit informieren. Änderungen und Einschränkungen werde es in jedem Fall aufgrund der Bauarbeiten in den Seeanlagen geben. Geplant ist weiterhin eine Jubiläumsausstellung im Blauen Haus sowie die traditionelle Verleihung des Keramikpreises im Traidtcasten. 

Wegen der Pandemie-Lage konnte die 20. Ausgabe des Dießener Töpfermarktes schon im vergangenen Jahr nicht stattfinden. Die Veranstaltung wurde in 2020 zunächst von Mai auf September verschoben und dann schließlich ganz abgesagt. In normalen Zeiten wird das Keramik-Festival mit rund 150 ausstellenden Werkstätten immer im Mai zu Christi Himmelfahrt veranstaltet und lockt in den Seeanlagen direkt am Ammersee jedes Jahr zwischen 50 000 bis 60 000 Besucher an. Die Keramikfans kommen nicht nur aus der Region. Viele lockt es sogar aus Italien oder der Schweiz an den Ammersee.

Besondere Bedeutung hat der Markt aber auch deswegen, weil er nicht nur Sammler, sondern auch Vertreter von bedeutenden Keramik-Galerien und Museen nach Dießen fahren.

 

Töpfermarkt trauert um Keramikmeister Fritz Rossmann

Der Dießener Töpfermarkt hat den jüngst verstorbenen Keramikmeister Fritz Rossmann als einen großen Vertreter der zeitgenössischen Keramik in Deutschland gewürdigt. „Mit ihm verlieren wir einen Star unseres Töpfermarktes. Wir bedauern sehr seinen viel zu frühen Tod“, hebt Marktleiter Wolfgang Lösche hervor. Der mit 63 Jahren verstorbene Fritz Rossmann aus Höhr-Grenzhausen in Rheinland-Pfalz hatte an allen Dießener Töpfermärkten der vergangenen 19 Jahre in den Seeanlagen teilgenommen. Mit seinen kunstvollen Porzellanarbeiten war er ein ganz wesentlicher Aussteller und Herzstück des Töpfermarktes im Süden des Ammersees. Mit Hochachtung vor seiner Leistung als Keramiker und seiner besonderen Persönlichkeit trauern seine Angehörigen, Freunde und Liebhaber seiner Keramik.

Der gebürtige Kölner war berühmt für seine „tanzenden Schalen“ aus feinstem Porzellan. Die kleinen Bohrungen der Gefäßwände, die nach dem ersten Brand mit Seladonglasur überzogen wurden, erzeugen eine „himmelszeltene Strahlkraft“. Die meist an der Scheibe freigedrehten Steinzeug- und Porzellangefäße sind von höchster handwerklicher Perfektion.

Fritz Rossmann stammt aus der Steinzeugstadt Frechen bei Köln. Gelernt hat er in einer traditionellen Werkstatt im Westerwald. Bei seinen Arbeiten ging es ihm nie um Reproduktionen traditioneller Gebrauchskeramik. Sein Ziel war nicht vorbildliche Formen der Vergangenheit oder anderer Kulturkreise zu wiederholen oder zu adaptieren. Vielmehr wollte er das, „was unsere Bewunderung historischer Keramik ausmacht – sei es eine wunderbare Glasurfarbe auf alten chinesischen Gefäßen der Song-Zeit oder die verwitterte Engobenmalerei der berühmten Kamares-Ware von Phaistos – in seine heutigen, zeitgemäßen Arbeiten aufnehmen und als ästhetisches Mittel verwenden“, schreibt Keramikingenieur und Dozent Wolf Matthes.

Die Werke von Fritz Rossmann sind in zahlreichen Museen in Deutschland, aber auch in internationalen Häusern zu bewundern, so im Hetjens Museum in Düsseldorf, im Kunstgewerbemuseum in Berlin, in der Neuen Sammlung in München, im Badischen Landesmuseum in Karlsruhe, im Ceramics Museum Grimmerhus in Dänemark, im Fule International Ceramic Art Museum in Fuping in China und im Museum of Modern Ceramic Art in Gifu in Japan, um nur einige zu nennen. Fritz Rossmann wurde auch mit vielen nationalen und internationalen Preisen und Ehrungen bedacht, so mehrmals mit dem Staatspreis Rheinland-Pfalz, dem Preis der Stadt Hanau sowie Preisen und ehrenvolle Erwähnungen in Japan und Korea.


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